Die Hass-GerĂ€usche-Allergie 😡 namens Misophonie!

Bevor sich jetzt die Besserwisser melden um den Titel dieses Beitrages zu bemĂ€ngeln: „Misophonie ist keine Allergie und auch keine Krankheit!“ (ist mir bewusst)

Kleiner Arzneimitteltipp am Rande: Gegen Klugscheißerei gibt es jetzt Imodium Halts Maul! Das soll gut helfen!

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Misophonie was ist das eigentlich?

Das Wort setzt sich aus den griechischen Wörtern „Misos“ und „Phone“ zusammen. Misos bedeutet Hass, Phone bedeutet GerĂ€usch. Zusammengesetzt also, Hass auf GerĂ€usche. Dieser Hass bezieht sich aber nicht generell auf alle GerĂ€usche und ist unabhĂ€ngig von der LautstĂ€rke.

Um ein besseres Bild davon zu bekommen in welchen Situationen Menschen mit Misophonie Wut empfinden, eine kleine Geschichte:

Mimi Sophie hat Misophonie

Die Freundinnen Mimi und Wilma chatten:

Ausrasterie durch Misophonie

Eine Stunde spÀter, Mimi hat geka
. gepackt und ist zu Wilma gefahren.

Die beiden quatschen und planen den restlichen Tag. Die Wahl fĂ€llt wie vermutet auf einen Kinobesuch, auch wenn Mimi seit einiger Zeit nicht mehr der aller grĂ¶ĂŸte Filmfan ist. Warum das so ist? Nun, Mimi Sophie hat Misophonie, auch als selektives GerĂ€uschempfindlichkeits-Syndrom bekannt. Im Kino besteht eine erhöhte Gefahr dafĂŒr, dass Mimi die damit verbundene Ausrasterie bekommt, aber lass dich ĂŒberraschen.

Die brennende Tamponschnur

In Zeiten von Corona ist es ratsam, die Kinotickets vorab online zu buchen und sich einen Sitzplatz zu sichern.

WÀhrend Mimi auf der Seite des Kinobetreibers die besten PlÀtze auswÀhlt, wartet Wilma und schnappt sich ohne irgendwelche Hintergedanken einen Kugelschreiber. Auf dem kann man so herrlich rumklicken. Mimi sucht, Wilma klickt, Mimi sucht, Wilma klickt, Mimi zuckt mit dem Auge, Wilma klickt, Mimi wird sauer, Wilma KLICKT!

Mimi schreit: „Hömma Prinzessin, brennt dir die Tamponschnur, oder warum klickst du wie bekloppt auf dem Scheiß-Kugelschreiber rum?“

Wilma klickt. Sie lacht und antwortet: „Sorry, ist das wieder eines von diesen TriggergerĂ€uschen, die dich auf die Palme bringen? Hatte ich vergessen.“

Wilma kennt ihre, eigentlich hochsensible Freundin und weiß, dass bestimmte GerĂ€usche sie förmlich explodieren lassen können. Sie schmeißt den Kulli quer durchs Wohnzimmer und zwinkert ihrer Freundin zu.

Der spontane Blutspender

Auf geht’s ins Kino. Die umweltbewussten Damen entscheiden sich mit der Bahn zu fahren und lassen das Auto stehen. Okay, eigentlich wollen Sie sich nur die Option offenhalten, sich spontan einen hinter die Binde zu kippen, aber das klingt halt nicht so gut.

Die Vorfreude auf den Film steigt, wird aber fĂŒr Mimi durch ihren kaugummikauenden Sitznachbarn erheblich getrĂŒbt. Wenn er doch wenigstens mit geschlossenem Mund kauen wĂŒrde. Zu allem Überfluss macht er zusĂ€tzlich lustige kleine Bubblegum-Blasen, welche er dann wieder zum Platzen bringt. Mimi atmet ein, und wieder aus, ein und wieder aus, Sie atmet ein

 und rastet aus: „Ey du WiederkĂ€uer, mach sofort deine Fressluke zu und wag es ja nicht noch eine von diesen verkacktet Blasen platzen zu lassen, sonst spendest du gleich mal spontan einen Liter Blut, aber durch die Nase, kapiert?! Stille in der gesamten Bahn. Der WiederkĂ€uer ist sichtlich ĂŒberrascht und verlĂ€sst, um nicht zum spontanen Blutspender zu werden, die Bahn.

Wilma kann sich ein Lachen nicht verkneifen und weist ihre Freundin darauf hin, dass sie an der nĂ€chsten Haltestelle austeigen mĂŒssen. Die beiden begeben sich zu den TĂŒren und warten.

Oma-Peppermint

Eine Ă€ltere Dame, welche ebenfalls ihr Ziel erreicht zu haben scheint, steht hinter Mimi. Wilma befĂŒrchtet das Schlimmste. Warum? Na, weil die Dame atmet. Macht doch jeder? Richtig, aber nicht jeder steht dabei hinter Freundin Mimi.

Mimi, noch sichtlich von dem kaugummikauenden Schmatzer genervt, kann es nicht fassen. Sie versucht die Situation einfach zu ertragen. „Es ist nur eine liebe alte Oma, tu ihr nichts. Sie atmet dir nicht bewusst ihren Pfefferminzatem in den Nacken, bleib ruhig!“ Sagt Sie zu sich selbst. Unter grĂ¶ĂŸter Anstrengung hĂ€lt sie sich bis zum Erreichen der Haltestelle zurĂŒck. Beim Austeigen kann Sie sich aber einen kleinen Seitenhieb nicht verkneifen: „Das mit den Abstandsregeln hat wohl nicht jeder verstanden. Ich persönlich finde es ja dufte, wenn mir die Leute nicht so dicht auf die Pelle rĂŒcken, dass sie mir wie ein GeblĂ€se ihren Atem in den Nacken pusten!“

Der Sekret Service & der NasenbÀr

Im Kino angekommen, stellen sich die Freundinnen in eine kurze Warteschlange, um ihre Tickets zu zeigen. Die Schlange ist kurz, besteht aber zum Teil aus aggressionsfördernden Personen. Um genau zu sein, ist es nur eine Person, die offenbar ein kleines, nasales Problem hat. Im Volksmund wĂŒrde man sagen: „Die Nase lĂ€uft!“

Oder mit den Worten von Heinz Erhardt: Wenngleich die Nas, ob spitz, ob platt, zwei FlĂŒgel hat, so hĂ€lt sie doch nicht viel vom Fliegen, das Laufen scheint ihr mehr zu liegen.

Die Person hinter der Nase löst das Problem durch wiederkehrendes „Hochziehen“. 99 Prozent der in der Schlange stehenden Menschen bemerken diesen Vorgang ĂŒberhaupt nicht. Das ĂŒbrige Prozent kramt kurz in der Jackentasche und reagiert wie folgt: „Pass mal auf du NasenbĂ€r, also entweder hast du Heuschnupfen, oder kokst zu viel! So, oder so gehst du mir mit deinem Riechkolben gehörig auf den Pinsel. Ich bin vom Sekret-Service, nimm das Taschentuch, rotz ab und gib endlich Ruhe!“

Erneut stehen die Damen dank Mimi im Mittelpunkt des Geschehens. Der NasenbÀr nimmt das Taschentuch dankend an und entschuldigt sich sogar so höflich, dass Mimi ihr verbaler Fehltritt beinahe leidtut.

Harmonie & Ruhe

Nicht ganz unwichtig fĂŒr einen Kinobesuch ist der ausgesuchte Film. Mimi Sophie Harmonie und Freundin Wilma Ruhe, haben sich fĂŒr den aktuellsten Blockbuster aus dem Marvel-Universum entschieden. Eine gute Wahl, wie ich finde. Hier ein Ausschnitt aus dem Trailer:

Surroundsound? Kein Problem!

Im Kinosaal angekommen, nehmen die zwei ihre PlÀtze ein und alles scheint gut. Kein 2 Meter-Riese, der die Sicht versperrt, keine direkten Sitznachbarn und wirklich gute Sicht auf die Leinwand.

Das Licht geht aus und die obligatorischen Film-Previews beginnen. Ein Typ hĂ€lt gefrorene und gezuckerte Kuhmilch, in Plastik verpackt, in die Luft und weist auf die gĂŒnstige Eiscreme fĂŒr schlappe 7 € hin.

Kurz bevor die Avengers die BildflÀche betreten, nimmt noch eine 4-köpfige Gruppe, bestehend aus 2 weiblichen und 2 mÀnnlichen Teenagern, 3 Reihen hinter Mimi und Wilma Platz.

Der Film beginnt. Gleich zu Beginn: Eine Kampfszene, Explosionen und SchĂŒsse, der Surroundsound dröhnt in ohrenbetĂ€ubender LautstĂ€rke durch den Saal. Bis hierhin: Kein Problem fĂŒr Mimi.

Der Exorzist in GefÀngniskleidung!

Kurz darauf ein nicht zu ertragenes, abstoßendes und ekelerregendes GerĂ€usch. Nachos zerstören die harmonische Szenerie! Die Vierergruppe Teenager hat sich fĂŒr geschĂ€tzte 500 € das gesamte Arsenal an Kinoverpflegung gesichert. Vier Mal Nachos mit KĂ€sesoße, vier XXL-Becher Popcorn und vier Mal den 5 Liter-Becher Cola mit extra-langem, nachhaltigem Trinkhalm! Dazu noch in Schoki gewĂ€lzte ErdnĂŒsse, auf deren Verpackung, aus genderspezifischen GrĂŒnden, nun weibliche, neutrale und mĂ€nnliche SchokonĂŒsse dĂ€mlich grinsen!

Vollkommen egal wie laut der Sound aus den Lautsprechern schallt, Misophonie Sophie hört nur noch das Krachen der Nachos, das SchlĂŒrfen der Cola, das Quitschen des Popcorns und das Knacken der grinsenden ErdnĂŒsse. Im Film schleudert der Hulk gerade ein Auto durch die Luft, gegen Mimi wirkt er allerdings wie ein zahmes, grĂŒnes KĂ€tzchen.

Sie verdreht ihren Kopf so weit nach hinten, dass man meinen könnte, im Exorzisten gelandet zu sein und lĂ€sst die Teens auf ihre sanfte Art wissen, was sie von dem Fressgelage hĂ€lt: „Geht’s noch lauter ihr dummen PIEP, ich komm gleich rĂŒber und schieb euch eure Nachos in den PIIIIEP! Nur zur Info, meine LieblingsgerĂ€usche sind: Lagerfeuerknistern, Schritte im Schnee, knackende Knochen von dĂ€mlich schmatzenden Teenagern, und schnurrende Katzen!“  Wilma greift ein: „Ruhig Mim, denk immer dran wie du in GefĂ€ngniskleidung aussehen wĂŒrdest!“ Das hat geholfen, Mimi entknotet ihren bis zum Anschlag verdrehten Hals und mutiert langsam wieder zurĂŒck.

Bruder Aggro-Monster!

Das Kinopublikum konzentriert sich nach einigen Minuten wieder auf den Film, die Teenager versuchen ihre Unmengen an SĂŒĂŸkram so leise wie möglich zu futtern und Mimi und Wilma genießen den Abend. Mit Blick auf den nach wie vor, prĂŒgelnden und brĂŒllenden Hulk gerichtet, flĂŒstert Wilma: „Hat dieser Bruce eigentlich auch Misophonie, oder warum wird er immer zu diesem grĂŒnen Aggro-Monster? Könnte glatt dein Bruder sein!“

Mimi grinst: „Das Aggro-Monster ist der Hulk und sollte sich lieber nicht mir anlegen.“ Die beiden lachen, Wilma ist froh, dass ihre Freundin niemanden abgemurkst hat und Mimi hat sich vorgenommen nach Möglichkeiten zu suchen, Ihre Misophonie ĂŒberwinden, bzw. sich besser kontrollieren zu können.

Zuhause angekommen schreiben sich die beiden noch einmal.

Ende der, mal wieder maßlos ĂŒbertriebenen, Geschichte!

Misophonie-Zusammenfassung

Was hier so (hoffentlich) lustig und ĂŒbertrieben dargestellt wurde, ist fĂŒr die Betroffenen nicht ganz so amĂŒsant.

Der „NormalbĂŒrger“ kann in der Regel gar nicht nachvollziehen warum eine, unter Misophonie leidende Person, wĂŒtend oder aggressiv reagiert.

Welche GerÀusche stören bei Misophonie?

Folgende GerÀusche können dich auf die Palme bringen, wenn du unter Misophonie leidest: 

  • Schmatzen
  • Nase hochziehen
  • Schluck- und KaugerĂ€usche
  • EssgerĂ€usche im Allgemeinen
  • AtemgerĂ€usche
  • FlĂŒstern
  • Klicken – z. B. mit einem Kugelschreiber
  • Tastaturtippen
  • Piepen & Klopfen
  • Monotone GerĂ€usche im Allgemeinen

Misophonie – Krankheit, oder nicht?

Es handelt sich hierbei eher um eine Überempfindlichkeit, welche durch bestimmte GerĂ€usche getriggert wird.

Misophonie ist zumindest nicht als krankhaft definiert.

Wie es zu dieser Empfindlichkeit kommt, kann nicht verallgemeinert werden. Es kann sich um post-traumatische Belastungs- und Zwangsstörungen, so wie Phobien handeln, welche sich individuell entwickelt haben. Bestimmte GerÀusche fungieren hier, aus den gemachten Erfahrungen heraus, als Trigger und lösen Wut und Aggression aus.

Misophonie – heilen / Symptome lindern

Wie o. g. handelt es sich nicht um eine Krankheit. Wer nicht krank ist kann streng genommen auch nicht geheilt werden. Zweifelsfrei leiden die Betroffenen unter bestimmten GerĂ€uschen. Um Linderung zu verschaffen, können EntspannungsĂŒbungen helfen.

In gewissem Maße kann es auch helfen, sich bewusst Situationen zu entziehen, welche Wut durch Misophonie auslösen können. Hierbei handelt es sich allerdings um einen schmalen Grat, da die Gefahr besteht sich abzukapseln und die Misophonie als Ausrede zu nutzen.

Misophonie – Phonophobie ‱ Was ist der Unterschied?

Phonophobie ist eine Art „verschlimmerte Misophonie“. Menschen, die unter Phonophobie leiden, haben regelrecht Angst vor GerĂ€uschen. Sie können aus Furcht vor bestimmten GerĂ€uschen Panikattacken, NervenzusammenbrĂŒche und andere körperliche Symptome, wie SchweißausbrĂŒche, beschleunigten Herzschlag, oder Übelkeit bekommen.

Misophonie behandeln?

Je nach Art der AusprĂ€gung und der damit verbundenen EinschrĂ€nkung im Alltag, kann es durchaus ratsam sein, sich einem Arzt anzuvertrauen. Einige Psychotherapeuten arbeiten bei Misophonie-Patienten mit einer Gegenkonditionierung. Hierbei werden zunĂ€chst, die als unangenehm empfundenen GerĂ€usche, herausgefiltert. Anschließend wird versucht, das Auftreten der negativen Emotionen, gegen angenehme Empfindungen auszutauschen.

Misophonie-Gadgets

Ein Weg die Misophonie-Symptome zu lindern, macht die moderne Technik möglich. Wie bereits beschrieben, kann es helfen, sich bestimmten Situationen zu entziehen. Was aber wenn man nicht auf diese Situationen verzichten möchte? In diesen FÀllen können gerÀuschhemmende Kopfhörer / Noise Cancelling Kopfhörer, Abhilfe schaffen. Die integrierte Technik minimiert UmgebungsgerÀusche und konzentriert den Sound auf das Wesentliche!

Misophonie – HochsensibilitĂ€t / HSP

Bei hochsensiblen Menschen sind die Sinnesorgane besonders ausgeprĂ€gt. Sie nehmen ihr Leben quasi ohne Filter war. Das bedeutet, dass es auch im Bereich des Hörens hĂ€ufig zu einer Überstimulation kommen kann. Es liegt also durchaus nahe, dass es ein gewisses Zusammenspiel zwischen HochsensibilitĂ€t und Misophonie geben kann. Wenn du mehr ĂŒber HSP / High Sensitive Persons wissen möchtest, klicke hier.

Hyperakusis – Misophonie – Unterschied

Misophonie ist nicht mit Hyperakusis gleichzusetzen. Personen, welche unter Hyperakusis leiden, weisen eine generelle, ungewöhnlich hohe Empfindlichkeit gegenĂŒber alltĂ€glichen UmgebungsgerĂ€uschen, auf. Sie können z. B. das Klingeln des Telefons, das GerĂ€usch einer Fahrradklingel etc. als unangenehm empfinden.

Zum Schluss noch ein kleiner Tipp:

„Empfehle einer wĂŒtenden, aggressiven Person, die offensichtlich unter Misophonie leidet, lieber nicht, dass Sie sich beruhigen soll. Er / Sie könnte reagieren, wie eine Packung Mentos in einer Cola-Flasche:

Also, bleibt locker und auch wenn ihr Schmatz GerÀusche hasst:

Blumengießen wĂ€re viel lustiger, wenn sie dabei lustige SchlĂŒrf-GerĂ€usche machen wĂŒrden!

Mit diesen tiefgrĂŒndigen Worten verabschiede ich mich und sage,

Ciaosen ihr Banausen!

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