Wildkuh vs. Amsel ‱ eine Speziesismus-Geschichte

„Ich glaub mich laust der Affe! Was bist du denn fĂŒr ne dumme Sau?! Du lĂ€ufst hier rum wie ein aufgeschrecktes Huhn und stĂŒrzt dich wie ein Geier auf alles was nicht niet- und nagelfest ist!“

So „begrĂŒĂŸt“ Leah ihre SchwĂ€gerin Merle!

 

Die Situation:

Oma hat leider das zeitliche gesegnet und die bucklige Verwandtschaft trifft sich am Haus der Großmutter, um das Erbe aufzuteilen. Leah ist nicht mit den HĂŒhnern aufgestanden und noch hundemĂŒde als Sie ein paar Minuten spĂ€ter als der Rest am Haus eintrifft. Merle dachte sich: „Der frĂŒhe Vogel fĂ€ngt den Wurm“ und ist als erste im Haus. Sie schnappt sich die Schmuckschatulle und ein paar andere Sachen.

„Was ist dir denn fĂŒr eine Laus ĂŒber die Leber gelaufen? Bei dir piepts wohl, mich so anzublöken!“ Faucht Merle zurĂŒck.

Leah wird krebsrot und holt zum Gegenschlag aus: „Hör auf zu gackern, du falsche Schlange. Du hamsterst hier Omas Klunker und machst spĂ€ter ein Schweine Geld damit! Aber nicht mit mir du Gewitterziege!“

Man merkt, die beiden sind sich spinnefeind.

Onkel Hotte greift ein: „Leah, jetzt halt mal die Schnauze und hilf den Saustall aufzurĂ€umen!“

Leah, wie von der Tarantel gestochen: „Ruhe du Schluckspecht!“ Hotte trinkt sich gerne einen, man könnte ihn auch als Schnapsdrossel bezeichnen.

Leah weiter: „Misch dich da nicht ein du Hornochse, siehst du Blindschleiche denn nicht was die Zimtzicke vorhat? Die diebische Elster reist sich alles unter den Nagel und lĂ€sst mit der Kohle spĂ€ter die Sau raus!“

Das lĂ€sst Merle nicht auf sich sitzen: „Das ist ja wohl ein dicker Hund! Na warte, wir beide haben noch ein HĂŒhnchen zu rupfen. Da musst du halt frĂŒher aus den Federn kommen, du lahme Ente!“

Onkel Hotte: „Ich habe einen BĂ€renhunger! Vielleicht hat Oma ja noch MĂ€usespeck im Schrank.“ Er macht die Fliege und verschwindet in der Speisekammer.“

Wenig spĂ€ter ruft er den beiden Streithennen zu: „Jetzt beendet mal euren Zickenkrieg, ist ohnehin alles fĂŒr die Katz!“ Obwohl Hotte blind, wie ein Maulwurf ist, hat er in der Kammer Omas Testament gefunden.

Hotte Weiter: „Unsern Omma hat ihre SchĂ€fchen frĂŒhzeitig ins Trockene gebracht und vererbt den ganzen Plunder dem Tierheim!“

Die Katze ist aus dem Sack! Leah und Merle weinen KrokodilstrĂ€nen und bleiben wohl ewig zerstritten, halt so wie Hund und Katz. Hotte macht sich eine Pulle Bier auf und beendet das harmonische Familientreffen mit den Worten: „Was fĂŒr ein Affentheater!“

Ente, Àh
 Ende!

P.S.: Der Name Leah stammt aus dem HebrĂ€ischen und kann mit „Die Wildkuh“ ĂŒbersetzt werden

Der Name Merle ist aus dem lateinischen Wort „merula“ abgeleitet und bedeutet auf Deutsch „Amsel“

 

Was soll diese Geschichte verdeutlichen? Gute Frage!

Diese, massiv ĂŒberzogene Kurzgeschichte, ist nur ein kleines Beispiel dafĂŒr welchen Stellenwert Tiere in unserer Gesellschaft oftmals einnehmen, bzw. welch negativen Dinge wir mit Ihnen verbinden.

Beim ersten Lesen der Geschichte ist man vielleicht erschrocken ĂŒber die derbe Ausdrucksweise und die Beleidigungen der beteiligten Personen. Denkt man aber genauer darĂŒber nach, stellt man fest, dass die Beschimpfungen oftmals einfach nur Tierarten, tierische Verhaltensweisen, Körperteile, oder zusammengebastelte Wörter im Zusammenhang mit Tieren, sind.

 

Wieso ist das so?

Der Mensch hat sich selbst die Legitimation dazu erteilt, Tiere zu seinen Gunsten zu nutzen und auszubeuten!

Der Fachbegriff hierfĂŒr lautet Speziesismus, aber was ist Speziesismus?

Dieses nahezu unaussprechliche Wort bezeichnet die Diskriminierung von Lebewesen, aufgrund ihrer Artzugehörigkeit. In der Regel spricht man vom Speziesismus, wenn sich der Mensch ĂŒber eine andere Spezies bzw. Tiere stellt und diese zu seinem Vorteil nutzt.

Die Kurzgeschichte kann als Beispiel fĂŒr verbalen Speziesismus dienen. Ist es jetzt schlimm solche Redewendungen, oder AusdrĂŒcke zu nutzen? Ich persönlich finde es nicht schlimm. Oftmals finde ich die „Beleidigungen“ sogar recht amĂŒsant. Die Vorstellung von einem pfeifenden Schwein z. B. finde ich lustig. Ein Frosch mit Locken wĂŒrde mich ebenfalls zum Lachen bringen (aber das ist mein Humor). Außerdem bin ich mir ziemlich sicher, dass es den Tieren egal ist, ob wir uns in Ihrem Namen beleidigen.

 

Eine weitaus schlimmere Form des Speziesismus findet tÀglich und rund um die Uhr statt!

 

Du bist Nutztier, du bist Haustier! Der schlaue Homo Sapiens hat entschieden eine Klassifizierung vorzunehmen, bei welcher er zwischen Nutz- und Haustier unterscheidet.

Was ist ein Nutztier?

Von einem Nutztier wird immer dann gesprochen, wenn das Tier in irgendeiner Form einen wirtschaftlichen Nutzen fĂŒr den Mensch hat. Liefert es z. B. Fleisch (gemeint ist hier kein Tier, welches Ihnen persönlich Fleisch nach Hause liefert – sorry Kopfkino -), Wolle, Eier, Leder, oder dient beispielsweise als Lastentier, sprechen wir von Nutztieren.

 

Nutztier Beispiele:

Zu den Nutztieren zĂ€hlen z. B. Rinder, Schweine, HĂŒhner, Schafe, Bienen etc.

 

Was ist ein Haustier?

Von einem Haustier spricht man dann, wenn das Tier direkt, in unmittelbarer NÀhe des Menschen lebt. Dies muss nicht zwangslÀufig im Haus sein. Orte wie der Garten, Stallungen etc. werden ebenfalls dazu gezÀhlt. Es besteht in der Regel eine enge Bindung zwischen Haustier und Mensch.

 

Haustier Beispiele:

Zu den Haustieren zÀhlen z. B. Hunde, Katzen, Fische, Kaninchen etc.

 

Ist ein Schwein aber immer ein Nutztier, oder ein Hund immer ein Haustier? Nein! Die Grenzen verschwimmen hier, je nach Betrachter. Wo und vom wem wird entschieden, was ein Tier zu welcher Zeit, an welchem Ort ist?

 

Wer entscheidet ĂŒber Folgendes?

  • Mit dir gehe ich spazieren, dich haue ich in die Pfanne!
  • Um dich weine ich, wenn du dir die Karotten von unten ansiehst. Wenn du ins Gras beißt, freue ich mich, weil du so lecker bist.
  • Sehe ich dich beim Wandern auf der Weide finde ich dich so sĂŒĂŸ und gebe dir zu Fressen. Abends im Restaurant bestelle ich deine Leber zusammen mit Fritten!
  • Im Streichelzoo freuen sich meine Kinder, dass sie dich streicheln dĂŒrfen. Ein paar Meter weiter können sie dich dann, in ein Brötchen gewickelt und mit Senf oder Ketchup ĂŒbergossen, essen.
  • Mit dir renne ich zum Tierarzt und zahle hunderte Euros damit es dir besser geht. Bei dir freue ich mich, wenn ich dich fĂŒr 99 Cent im Zehnerpack kaufen kann, um dich abends auf meinen 900 € Webergrill zu knallen!
  • Versucht dir jemand weh zu tun, verteidige ich dich. Bei dir ist es mir egal, dass du misshandelt und eingesperrt wirst! Ich muss es ja nicht sehen!
  • Dich fotografiere ich im Urlaub, weil es großartig ist dich im Meer schwimmen zu sehen. Dir haue ich mit dem Hammer auf den Kopf, oder lasse dich jĂ€mmerlich ersticken.
  • Sehe ich dich im Urlaub auf der Alm, habe ich Respekt vor deiner GrĂ¶ĂŸe und deinen Hörnern. Zuhause trete ich dich mit FĂŒĂŸen, wenn ich dein abgezogenes Fell als Teppich nutze.
  • Als kleines Ferkel finde ich dich niedlich. Ein halbes Jahr spĂ€ter finde ich es absolut gerechtfertigt, dass man dich ausbluten lĂ€sst und dich pĂŒriert in deinen eigenen Darm stopft!

 

Ja, die Wahrheit tut weh. Mach dir nur immer klar wem sie mehr wehtut!

Diese Liste der Doppelmoral ließe sich ewig fortfĂŒhren. Wir denken schlicht nicht mehr darĂŒber nach was wir konsumieren, wo es herkommt und wer was dafĂŒr in Kauf nehmen muss.

Wenn wir unseren Kindern nicht erzÀhlen können, was in SchlachthÀusern passiert ist es dann vielleicht falsch was dort gemacht wird?! Das ist selbstverstÀndlich eine rhetorische Frage.

Wer hat entschieden, dass ein Tier leben darf und das andere sein Leben fĂŒr mich opfern muss und nichts außer Leid und Qual erleben darf?! Wer hat entschieden, dass gerade geborene Tiere nicht ihre natĂŒrliche Nahrung bekommen und von Ihrer Mutter getrennt werden, nur weil die Muttermilch einer anderen Spezies so lecker schmeckt und zu KĂ€se verarbeitet alles ĂŒberbacken kann?! (außer vielleicht Bier)

Du und ich, unsere Eltern und Großeltern, also die Verbraucher! Das ist das Prinzip von Angebot und Nachfrage. Wir möchten es haben, ein anderer kann damit Geld verdienen
 es wird legitimiert! Apropos von wem wird es eigentlich legitimiert? Richtig, von Politikern (wem das Gendern an dieser Stelle fehlt, denkt sich bitte, :Innen dazu). Zu dem Thema Politik und nachvollziehbare Entscheidungen an dieser Stell nur so viel:

„Manch einer hat, nach dem FrĂŒhstĂŒck, mehr Eier in seiner dicken Wampe, als in der Hose. Und wer keine Eier in der Hose hat, ist noch lange keine Frau!“

BeschĂ€ftigt man sich mit Thematiken wie Massentierhaltung, Fleisch- und Milchindustrie, kommt man sich vor wie in einem Horrorfilm, bei dem keiner außer einem selbst das Monster gesehen hat. Du versuchst andere davor zu warnen, aber kaum einer möchte es hören!

Frei nach dem Motto, was ich nicht sehen kann ist auch nicht da, wird also lustig weitergeschlachtet, gequĂ€lt und ausgebeutet. Der Planet wird weiter zerstört, das Klima nachhaltig verĂ€ndert und Ressourcen werden weiter verschwendet. Der Mensch hat schließlich ein Recht auf Genuss und dieses Recht steht ĂŒber dem Recht der Tiere auf Leben und Unversehrtheit. Kurz und knapp Speziesismus. Zu provokant?! Ich denke nicht. Wir dĂŒrfen die mehrheitliche Meinung, welche Ausbeutung und Ermordung fĂŒr korrekt hĂ€lt, nur nicht mit der Wahrheit verwechseln!

By the way:

„Habt ihr auch immer Mitleid und spendet fĂŒr Menschen, die ĂŒberall auf der Welt verhungern? WĂ€hrend wir oft nicht mehr wissen, was wir als NĂ€chstes essen können? WĂ€hrend wir Tonnen von Lebensmitteln wegwerfen?

Dann stellt euch doch mal die Frage, wie es möglich ist, fast 70 Milliarden Nutztiere (ca. 13,5 Milliarden davon sind: Rinder, Schweine, Schafe und Ziegen) zu ernÀhren, aber warum es nicht reicht, ca. 8 Milliarden Menschen zu ernÀhren!

 

Bye, bye, euer Kay!

 

 

Wo findet Speziesismus statt?

 Lebensmittelindustrie

 

Pharmaindustrie

  • Tierversuche

 

Kleidungs- und Haushaltsindustrie

  • Pelzindustrie
  • Daunen
  • Wolle
  • Leder

 

Tiere als Instrumente

  • Arbeitstiere
  • Unterhaltungsindustrie